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Das alte Südwestafrika

Das alte Südwestafrika
Price USD 232.00
Seller Namibia Wissenschaftliche Gesellschaft

Heinrich Vedder Dies ist der erste und bis jetzt einzige Versuch, die Geschichte Namibias bis zum Tode Mahareros im Jahr 1990 umfassend darzustellen. Fest gebunden 148 x 210 mm 686 Seiten 26 schwarzweiße Fotos und 1 Karte Leseprobe Hundert Kilometer nördlich von Swakopmund in Südwestafrika steht auf einer felsigen Anhöhe ein hochragendes steinernes Kreuz. Vor ihm dehnt sich die große Wasserwüste des Atlantischen Ozeans aus. Hinter ihm liegt die öde Sandwüste der Namib. Am Fuße des Kreuzes sonnen sich auf blankgescheuerten Felsen tausende von Robben. Südwärts blickend ruht das Auge auf unabsehbar weiten Salzlagern. Was das einsame Kreuz bedeuten soll, sagt seine in lateinischer und portugiesischer Sprache verfasste Inschrift: „Seit Erschaffung der Welt sind 6 684 und seit der Geburt Christi 1 484 Jahre verflossen gewesen, dass der erhabene Don Johann befohlen hat, durch Jakobus Canus, seinen Ritter, diese Säule hier errichten zu lassen." An dieser Stätte betrat des ersten Europäers Fuß den Strand von Südwestafrika. Jakobus Canus (port. Diega Cao) hieß er, und sein König Johann II von Portugal hatte ihn gesandt, die Westküste Afrikas zu erforschen, denn sie war bis dahin dem Abendlande ein sagenhaftes Gebiet geblieben. Arabische und phönizische Schiffer hatten sich zwar, von den Säulen des Herkules kommend und südwärts segelnd, einige Kenntnisse von der Küste des nördlichen Afrika erworben, aber ihre Berichte hatten niemand ermutigt, ihren Spuren zu folgen. Man fabelte von riesigen Seeungeheuern in den südlichen Gewässern, die ganze Schiffe verschlingen könnten, von einer Sonnenhitze, in der hölzerne Schiffe in Brand geraten müssten, von einem Magnetberg, der die eisernen Schiffsnägel aus den Bohlen ziehe und das Schiff auseinanderfallen lasse, von riesenhaften Eingeborenen an der Küste, die sich nicht scheuten, jeden Fremdling, der sich an den Strand wage, zu verspeisen. Hätte man dem Vater der Geschichte, dem ehrwürdigen Griechen Herodot, den Glauben geschenkt, den man an Unwürdige verschwendete, so hätte man im 42. Kapitel des IV Buches seines Geschichtswerkes lesen können, dass es bereits um 600 v. Chr. dem Pharao Necho von Ägypten gelang, ganz Afrika vom Roten Meer aus umsegeln zu lassen. Seine aus Phöniziern bestehende Expedition kehrte nach drei Jahren durch die Säulen des Herkules wieder zurück und wusste nichts von den genannten Gefahren zu berichten. Wohl wussten sie mit Bestimmtheit zu sagen, dass der Erdteil Afrika, in alter Zeit Libyen genannt, eine Südgrenze habe, die man umsegeln könne, und gerade das war es, was die Portugiesen in Erfahrung bringen wollten. Herodot schreibt: „Es ist klar, dass Libyen vom Meere umflossen ist mit Ausnahme des Teiles, der an Asien grenzt, und dies hat Necho, der König von Ägypten, soweit wir wissen, zuerst bewiesen. Als dieser nämlich die Arbeiten an dem Kanäle einstellen ließ, der aus dem Nil in den Arabischen Busen führen sollte, sandte er phönizische Männer zu Schiffe ab mit dem Befehl, auf der Heimreise durch die Säulen des Herkules zu fahren, und so über das Mittelländische Meer wieder nach Ägypten zurückzukehren. Die Phönizier segelten demgemäss aus dem Roten Meere ab und fuhren in das Südmeer. So oft die Saatzeit kam, landeten sie, bestellten das Feld, wo sie gerade waren und warteten die Ernte ab. Wenn sie aber das Korn abgeerntet hatten, fuhren sie weiter, bogen nach Verlauf von zwei Jahren im dritten durch die Säulen des Herkules und gelangten nach Ägypten. Sie erzählten aber - was mir zwar nicht glaublich ist, vielleicht glaubt es aber ein anderer - dass sie bei ihrer Fahrt um Lybien die Sonne zur rechten Hand gehabt hätten." Das Interesse, das die Portugiesen an der Lösung der Frage nach der südlichen Umschiffbarkeit Afrikas hatten, entsprang nicht dem wissenschaftlichen Forschungstrieb, sondern dem Streben nach dem Reichtum unbekannter Völker und der Eröffnung eines Handelsweges nach dem fernen Indien, dessen Gewürze und Seide, Teppiche und Elfenbein, Gold und Edelsteine man auf dem europäischen Markt begehrte. Bis dahin hatte man diese Handelswaren auf dem Landwege über Mesopotamien und Persien unter großen Gefahren und Verlusten herbeigeschafft, oder sie von arabischen Schiffern durch das Rote Meer nach Ägypten bringen lassen, wo sie nach Alexandrien befördert und dort in die Schiffe der Handelshäuser von Venedig nach Genua gebracht wurden. Portugal bemühte sich, diesen Handel an sich zu ziehen. Das konnte nur gelingen, wenn es einen Seeweg nach Indien fand, auf dem ihm keine andere Macht hindernd in den Weg treten konnte. Sollte sich ein solcher Seeweg nicht finden lassen, wenn Südafrika umschiffbar war? Dies musste festgestellt werden. Schon Heinrich der Seefahrer hatte eine Expedition nach der ändern zur Erforschung der Westküste abgesandt. Vorsichtig vorwärts tastend hatten die Portugiesen, als Heinrich 1460 starb, bereits 500 Seemeilen der Küste erkundet. Im Jahre 1482 sandte Johann II. seinen Ritter Jakobus Canus aus, der bis zum Kongo gelangte und im folgenden Jahre mit Eingeborenen von dort nach Lissabon zurückkehrte. Derselbe Entdecker unternahm (1484 - 1486) eine zweite Reise, die ihn bis zum Kreuzkap führte. Hatten die Führer früherer Expeditionen als Hoheitszeichen der portugiesischen Krone an den Landungsstellen hölzerne Kreuze errichtet, so hatten sie jetzt den Befehl, überallhin steinerne Kreuze mitzunehmen und sie als Zeichen der Besitzergreifung aufzurichten. Auf dieser zweiten Reise errichtete Canus das erste Denkmal europäischer Macht auf südwestafrikanischem Boden.

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